Die erhaltenen Kirchenbücher der katholischen Pfarrkirche zu Militsch1  
     
A) TAUFREGISTER:

Die erste Taufliste beginnt am 10.05.1671. Die Jahrgänge 1689 bis 1694 fehlen, und die nächste Lücke klafft zwischen September 1705 und Oktober 1721. In diesen frühen Tauflisten wird nur der Vorname der Mutter genannt, während der Vater mit vollem Namen erscheint. Erst ab 1721 kennen wir auch die vollen Namen der Mütter.

Am 17.10.1721 beginnen die evangelischen Tauflisten, die aufgrund des Pfarrzwanges in der katholischen Kirche geführt wurden. (Für den Forscher ein Glücksfall, weil die originalen evangelischen Kirchenbücher verschollen bzw. vernichtet sind.) Diese Pfarrzwanglisten unterscheiden sich von den katholischen Büchern durch das Fehlen der Angaben über Taufpaten und den taufenden Pfarrer. Im August 1742 brechen diese Listen ab, weil der Pfarrzwang wohl nicht mehr streng befolgt wurde.

Die originalen katholischen Taufbücher überlappen sich mit diesen evangelischen Listen. Sie beginnen Ende Mai 1726 und reichen ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1901. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts enthält die Liste eine Sonderaufstellung der Taufen für das Militär. Die katholischen Listen der Jahrgänge 1745-1758 enthalten merkwürdigerweise Konfessionsangaben. und zwar mehrheitlich evangelische Taufen, allerdings zahlenmäßig nach 1752 mit fallender Tendenz. Man könnte daraus schließen, daß es sich hier um eine Fortsetzung der 1742 (vielleicht in Zusammenhang mit dem Ende des 1. Schlesischen Krieges mit dem Breslauer Vorfrieden) abgebrochenen Pfarrzwang-Liste handelt und daß die evangelischen Taufen bis zur endgültigen Aufhebung des Pfarrzwangs Ende 1757 zusammen mit den katholischen Taufen im selben Register aufgeführt wurden.

Es ist die Zeit nach Ende des 2. Schlesischen Krieges (1744/1745), als Preußen abermals Sieger im Ringen um Schlesien blieb und der katholische Pfarrer sich beeilte, auch seine evangelischen Zeitgenossen nunmehr zu erwähnen, da deren Hausmacht Preußen Schlesien für sich proklamieren konnte (Dresdner Frieden).

Die Taufbücher der Jahre 1902-1947 liegen im Pfarramt der heute polnischen (katholischen) Militscher Pfarrkirche.

B) TRAUREGISTER:

Die Trauregister liegen in 4 Teilen vor. Teil 1 beinhaltet die Trauungen zwischen 01.05.1658 und 1690 und ist somit das älteste Militscher Kirchenbuch. Es ist in Latein geschrieben und enthält sowohl katholische als auch evangelische Trauungen, ohne allerdings die Konfession der Brautleute zu kennzeichnen. Von 1658-1663 erfolgten die Trauungen in den Kirchen von Militsch, Sulau und Schlenz, und zwar 200 in Militsch, 46 in Sulau und 34 in Schlenz. Bei einigen Trauungen fehlt die Angabe des Kirchenortes.

Es gab seit 1654 keine evangelische Kirche im Kreisgebiet Militsch mehr, weil diese Kirchen auf Dekret des katholischen Habsburger Kaisers eingezogen worden sind und für die Katholiken geöffnet worden waren. Dazu hatte der Kaiser in den ihm unterstehenden Herrschaften, und dazu zählte neben Militsch und Trachenberg als Standesherrschaften auch ganz Schlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Oels, Brieg und Liegnitz sowie der Stadt Breslau), seit dem Westfälischen Frieden (24.10.1648) ein verbürgtes Recht, von dem er in Schlesien ab 1653 Gebrauch machte.

Weil es also in dem Zeitraum des 1. Teils der Militscher Trauregister (von 1654 und über 1690 hinaus bis 1709) hier keine evangelische Kirche mehr gab, wurde die gesamte ansässige Bevölkerung durch die katholischen Kirchen in Militsch und Strebitzko im östlichen Kreisanteil sowie durch die Kirchen von Trachenberg und Powitzko im westlichen Kreisanteil betreut.

Ein Exodus der schlesischen Bevölkerung war die Folge. Viele Menschen gingen über die polnischen Grenzen, um sich dort neu anzusiedeln. Deshalb sind entlang der Militscher Provinzgrenze auf schlesischem Gebiet nur Dörfer und Kleinstädte, auf polnischen Gebiet aber "Großstädte" (z. B. Krotoschin, Rawitsch, Bojanowo, Lissa und Ostrowo) entstanden, deren Bevölkerung dann durch Geburtenüberschuß zunahm und letztlich bei der Volkszählung von 1910 überwiegend von Deutschen bewohnt waren (z. B. Zduny: ca. 90%). Daher wurde die Abtretung dieser Gebiete von Deutschland an Polen (in den Grenzen von vor 1772) nach dem verlorenen 1. Weltkrieg ohne Volksbefragung von Vielen schon damals als ein Akt der Barbarei der Siegermächte angesehen. Auch deswegen fühlte Hitler sich berechtigt, von einem vom deutschen Volk gestellten Auftrag zur Wiedergutmachung zu sprechen. Jedenfalls fand er bei breiten Teilen der Bevölkerung hier große Unterstützung. Die eigentlichen Gründe sind aber in der deutschen Geschichte, insbesondere der des 30-jährigen Krieges mit seinem religiösen Konflikt zu suchen. Sie waren 1939 schon 300 Jahre alt!

Teil 2 des Trauregisters umfasst die Jahre 1721-1742 und enthält nur evangelische Trauungen, die als Kopie, also Abschrift, glücklicherweise in der katholischen Kirche erhalten geblieben sind, weil die Brautleute die "Stolgebüren" (heute würde man Amtsgebüren dazu sagen) beim katholischen Pfarrer zu entrichten hatten. Grundlage dazu war das Kirchengesetz der Habsburger. Dieses wurde erst mit Wirkung zum 01.01.1758 durch den Preußenkönig geändert. Offenbar sind diese evangelischen Trauungen aber in der seit 1709 existierenden Militscher Gnadenkirche vorgenommen, also nicht in der katholischen vollzogen worden und bei der Bezahlung dann in einem extra geführten Register bei dem katholischen Pfarramt niedergeschrieben worden.

Der 3. Teil des Trauregisters betrifft die Jahre 1736-1764. Er überschneidet sich also von 1736-1742 mit dem 2. Teil. Das Register ist ebenfalls in deutsch geschrieben und enthält im Gegensatz zum 2. Teil ausführliche Angaben über die Trauzeugen und über eine Witwenschaft des Bräutigams. Dieser Teil der Trauregister gibt zu Spekulationen Anlaß, da in ihm auch protestantische Trauungen enthalten sind. In den Jahren 1744-1757 wird genau unterschieden, ob beide Brautleute lutherisch sind, ob bei konfessionell gemischten Trauungen der Mann oder die Frau lutherisch ist, oder ob beide Brautleute katholisch sind.
Der 4. Teil des Trauregisters (1766-1808) unterscheidet sich erheblich von dem vorangegangenem: Er ist sehr knapp gehalten, in deutsch geschrieben und vermerkt zusätzlich zu den Namen der Brautleute nur deren Alter, eventuelles Witwentum und den Stand, nicht aber die Vornamen der Eltern. Konfessionelle Angaben werden nicht gemacht, aber die geringe Zahl der jährlichen Trauungen läßt darauf schließen, daß es sich nur um katholische Trauungen handelt.

C) BEGRÄBNISREGISTER:

Diese sind in drei Teilen vorhanden und umfassen die Jahre 1694-1711, 1729-1750 und 1766-1910.


Am 31.12.1757 hörte durch königlich preußischen Erlass der "katholische Pfarrzwang" in Schlesien auf. Von nun an wurden nach Religion getrennte Kirchenbücher geführt. Die katholischen Bücher blieben vor der Vernichtung bewahrt. Die evangelischen Bücher mußten wohl als Zeugen deutscher und protestantischer Vergangenheit Schlesiens vernichtet werden: Sie sind beinahe sämtlich verbrannt worden.


TABELLE:
Von der Kirche Jesu Christi HLT verfilmte Kirchenbücher der katholischen Pfarrkirche zu Militsch2, 3, 4:

Tf / Tr / Bg Jahre ev. / rk. LDS FHL INTL Film
Taufen 1671-1688 ev. und rk. 1456767 Items 5-7
Taufen 1695-1705 ev. und rk. 1456767 Items 5-7
Taufen 1721-1723 nur ev. 1456767 Items 5-7
Taufen 1723-1734 nur ev. 1456768
Taufen 1726-1737 nur rk. 1456768
Taufen 1734-1742 nur ev. 1456768
Taufen 1738-1766 nur rk. 1456768
Taufen 1765-1781 nur rk. 1456768
Taufen 1781-1804 nur rk. 1456768
Taufen 1802-1808 nur rk. 1456769
Taufen 1803-1809 nur rk. 1456769
Taufen 1809-1825 nur rk. 1456769
Taufen 1825-1856 nur rk. 1456770
Taufen 1857-1877 nur rk. 1456770
Taufen 1878-1901 nur rk. 1456770
Trauungen 1658-1682 ev. und rk. 1456769
Trauungen 1682-1690 ev. und rk. 1456769
Trauungen 1721-1742 nur ev. 1456768
Trauungen 1736-1764 ev. und rk. 1456769
Trauungen 1766-1834 nur rk. 1456770
Trauungen 1802 nur rk. 1456769
Begräbnisse 1694-1711 ev. und rk. 1456769
Begräbnisse 1729-1737 nur rk. 1456769
Begräbnisse 1737-1750 ev. und rk. 1456769
Begräbnisse 1766-1796 nur rk. 1456769
Begräbnisse 1796-1823 nur rk. 1456770
Begräbnisse 1822-1831 nur rk. 1456771 Items 1-3
Begräbnisse 1832-1910 nur rk. 1456771 Items 1-3
Kommunicanten 1799-1840 nur rk. 1456771 Items 1-3

1 Aus: "Zur Geschichte der Familie Nistripke - Nestriepke aus Militsch" von Wolfgang Nestriepke († 2003), freundlicherweise von Reinhold Nestriepke aus dessen Familienarchiv zur Verfügung gestellt. Ergänzt durch geschichtliche Anmerkungen von Andreas Reim und zusammengefaßt von Dr. Klaus Langner, 30.10.2005.

2 Warum sich auch die rein katholischen Aufzeichnungen teilweise zeitlich überschneiden, ist noch einer genaueren Untersuchung vorbehalten.

3 Von einem Großteil dieser Kirchenbücher sind umfangreiche Register angefertigt worden, die in der Militsch-Dokumentendatenbank kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

4 Eine aktuellere und umfassendere Übersicht über Verbleib, Verfilmungen und Transkriptionen der Kirchenbücher des Kreises Militsch findet sich im Findbuch Kirchenbucharchiv.de.


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